75 WiemannWerft K; Rep. 75 Wiemann-Werft Brandenburg (Havel) - Karten; 1889-1951 (Teilbestand)

Archivplan-Kontext


Angaben zu Inhalt und Struktur

Titel:Rep. 75 Wiemann-Werft Brandenburg (Havel) - Karten
Dat. - Findbuch:1889 - 1951
Vorwort:Firmengeschichte

1867 gründete Carl Wiemann in Brandenburg (Havel) einen Schlosserei- und Maschinenbaubetrieb, der nach dem Beitritt des Bruders Wilhelm den Namen "Gebr. Wiemann" erhielt und sich schließlich in der Packhofstraße, unweit der Langen Brücke, ansiedelte. Der Familienbetrieb wurde in zweiter Generation von Paul Wiemann geleitet, dem Sohn des Gründers. Als er 1930 starb, wurden seine Witwe Helene und sein Bruder Fritz Firmeninhaber. Auch Georg und Karl Wiemann, Söhne von Helene, vertraten seit den 1930er Jahren die Gebr. Wiemann nach außen.
Zunächst wurden Maschinen für die Ziegeleiindustrie angefertigt, dann solche, die zur Herstellung von Schiffen benötigt wurden. Bis zur Jahrhundertwende spezialisierte man sich auf die Reparatur von Schiffen sowie Schiffsmaschinen, bis 1901 der Schleppdampfer "Helene" als erstes von Gebr. Wiemann selbst hergestelltes Schiff auslief. Dreißig Jahre später waren 264 Schiffe, bis 1945 insgesamt 379 Schiffe von der offenen Handelsgesellschaft "Gebr. Wiemann, Maschinenfabrik, Schiffswerft, Eisengießerei" gebaut worden. Es handelte sich um Schlepp-, Fracht- und Passagierdampfer mit Schrauben- und Radantrieb, Motorschiffe, Eisbrecher, Spül- und Tankschiffe, Prähme, Bagger usw. vorrangig für die Binnenschifffahrt, aber auch für die Küstenschifffahrt wie der hafftüchtige Schlepp- und Bereisungsdampfer "Oder" von 1912. Nicht nur die 1916 von Gebr. Wiemann selbst entwickelte Wiemann-Schraube, auch das um 1930 erworbene Patent der Kort-Düse brachte der Firma großen Erfolg mit schnelleren, zugstärkeren Schiffen.
Sie wurden in der Schiffbauhalle und auf dem Quer- und Längsslip an der 500 m langen Wasserfront gefertigt. Auf dem 47.150 qm großen Grundstück befanden sich daneben eine Schlosserei, Dreherei, Eisengießerei, Gussputzerei, Formerwerkstatt, Schmiede, Tischlerei, Maschinen- und Motorhäuser mit zugehörigen Anlagen sowie ein Bürogebäude.
Die Zahl der hier Arbeitenden stieg durch den florierenden Schiffbau zunächst auf ca. 450 und pendelte sich zwischen 1913 und 1928 auf ca. 350 ein. Hatte schon der Erste Weltkrieg mit der Umstellung der Maschinen auf die Produktion von Granaten wirtschaftliche Einbußen und der Winter 1923/1924 das Geschäft fast zum Erliegen gebracht, führte die Weltwirtschaftskrise zu einem Rückgang auf ein Drittel der normalen Leistung. Die Beschäftigtenzahlen sanken 1931 auf 150 und erreichten 1933 den Tiefststand mit 62 Arbeitern, da von 1932 bis 1938 ein Neubauverbot von Flussschiffen auf den märkischen Wasserstraßen die Werft zwang, betriebsfremde Fabrikationen aufzunehmen, die das finanzielle Bestehen der Firma kaum sicherten. Ein Großbrand im April 1937 zerstörte die Schiffbauhalle und weitere Gebäude, so dass vorübergehend unter freiem Himmel gearbeitet werden musste. Ende der Dreißiger Jahre zog das Geschäft wieder an, im Zweiten Weltkrieg auch befördert durch Aufträge der Marine, die sogar einen Slipbau finanzierte. Im Frühjahr 1945 waren 429 Arbeiter beschäftigt, 40 Angestellte und 26 Kriegsgefangene; Zwangsarbeiter verschiedener Nationalitäten wurden seit 1940 von Gebr. Wiemann zur Arbeit herangezogen.
Am 31. März und 20. April 1945 wurde das Fabrikgelände zu 40% durch Bomben zerstört. Mithilfe des Schwimmkrans der Gebr. Wiemann konnten nach Kriegsende Brandenburger Brücken wieder aufgebaut und die Havel von Schiffswracks geräumt werden. Als Zulieferer der Marine musste der Betrieb 40% seiner Anlagen und Maschinen als Reparation demontieren. Ende 1945 wurde der Betrieb in Treuhandverwaltung übernommen, 1948 enteignet und in den VEB Volkswerft "ErnstThälmann" umgewandelt, der mit dem Jahresende 1962 die Produktion einstellte.


Bestandsgeschichte

Die Volkswerft "Ernst Thälmann" gehörte zusammen mit dem VEB Schiffswerft Plaue (ehem. Walter & Voss - Werft, bislang unverzeichnet) der Vereinigung Volkseigener Werften Schwerin / Rostock, später der VVB Schiffbau Rostock an. Der Bestand wurde 1975, 1977 und 1981 vom Staatsarchiv Potsdam (heute BLHA) ü bernommen. Ein 1977 erstelltes Ablieferungsverzeichnis führt einen Großteil von Akten der Schiffswerft Gebr. Wiemann auf. So konnten 2007 16 Kartons und 14 Überformate Gebr. Wiemann zugewiesen und entsprechend beschriftet werden. Von Dezember 2009 bis Januar 2010 wurde der Bestand mit dem AUGIAS - Archivprogramm von der Praktikantin Henrike Bolte verzeichnet unter Rep. 75 Wiemann-Werft. Da in den Akten Bau- und Lagepläne sowie technische Zeichnungen in großer Zahl enthalten waren, wurden die losen Stücke, die das übliche Folioformat überschritten, an das Kartenmagazin abgegeben und dort mit dem AUGIAS - Archivprogramm von Fr. Bolte erfasst. In Absprache zwischen Kartenmagazin und Rep. 75 wurde entschieden, die vielen weiteren Karten und Zeichnungen, die in sieben Akten mit Baugenehmigungen eingebunden waren, dort zu belassen. Es handelt sich teilweise um die Originale der ans Kartenmagazin abgegeben Lichtpausen. Im AUGIAS ist im Feld "Alte Archivsignatur" die zugehörige Akte zu ersehen.

Der Bestand ist folgendermaßen zu zitieren:
"BLHA, Rep. 75 Wiemann-Werft Karten, Nr."

Angaben zum Umfang

Umfang:86 Karten

Angaben zur Benutzung

Zitierweise:BLHA, Rep. 75 Wiemann-Werft Brandenburg - Karten Nr.
 

Benutzung

Erforderliche Bewilligung:Keine
Physische Benützbarkeit:Uneingeschränkt
Zugänglichkeit:Öffentlich
 

URL für diese Verz.-Einheit

URL: http://blha-recherche.brandenburg.de/detail.aspx?ID=52805
 
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