5KB; Rep. 5KB Kirchenbuchduplikate; 1700-1901 (Bestand)

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Title:Rep. 5KB Kirchenbuchduplikate
Dat. - Findbuch:1700 - 1901
Vorwort:Bestandsgeschichte

Anfertigung der Kirchenbuchduplikate und Aufbewahrung in den Gerichten

Das Allgemeine Landrecht für die Preußischen Staaten von 1794 schrieb vor, dass die Kirchengemeinden jährlich Abschriften der Einträge in ihren Kirchenbüchern zu fertigen und an örtlichen Gerichte zur Aufbewahrung abzugeben hatten. Damit sollten die Personenstandsangaben in den Kirchenbüchern vor Verlust durch Katastrophen gesichert werden. Die Abschriften sollten von den Küstern gefertigt und von den Pfarrern überprüft werden. Die Gerichte hatten darüber zu wachen, dass die Duplikate für alle Orte in ihrem Gerichtssprengel ordnungsgemäß gefertigt sowie pünktlich und vollständig abgegeben wurden. Da die Fertigung und Aufbewahrung der Duplikate für alle Beteiligten eine lästige Pflicht war sowie detaillierte und einheitliche Regeln dafür fehlten, wurde in den Pfarreien und in den Gerichten sehr unterschiedlich verfahren. Mangelnde Sorgfalt führten zu Lücken in den Beständen und zu Fehlern in den Abschriften. In manchen Fällen machten die Pfarreien aber auch mehr als gefordert und lieferten außer den Abschriften der Register der Getauften, Getrauten und Bestatteten auch Abschriften der Listen der Konfirmierten und der Kommunionsempfänger oder anderer Einträge in den Kirchenbüchern ab. Mit der Einrichtung von Standesämtern und der Führung ziviler Personenstandsregister in den östlichen Provinzen Preußens zum 1. Oktober 1874 endete die Verpflichtung zur Fertigung und Abgabe von Duplikaten. Die Duplikate des Jahres 1874 enthalten in der Regel nur die Kirchenbucheinträge der Zeit bis zum 30. September 1874.

Übernahme, Ordnung und Verzeichnung im Archiv

Im Bestand Rep. 5 KB sind die im Brandenburgischen Landeshauptarchiv erhaltenen Duplikate evangelischer Kirchenbücher der Provinz Brandenburg aus dem Zeitraum von 1794 bis 1874 und einzelne Duplikate anderer Konfessionen zusammengefasst. Sie stammen größtenteils aus der Abgabe brandenburgischer Amtsgerichte, die sie aus älteren Gerichtsbehörden übernommen hatten. Zur Erleichterung der Bearbeitung und Benutzung wurden sie zu einem Sammelbestand zusammengefasst und nicht bei den Beständen der abgebenden Gerichte belassen oder den Beständen der Gerichte zugeordnet, bei denen sie ursprünglich eingereicht worden waren. Mit der Zuordnung des Bestandes zur Bestandsgruppe Rep. 5 – untere Gerichtsbehörden in der Provinz Brandenburg – bleibt die Verbindung mit der Gerichtsüberlieferung allerdings gewahrt. Einzelstücke, die zur Gerichtsüberlieferung von Domänenämtern oder Rittergütern gehören und sich aus verschiedenen Gründen noch in diesen Beständen finden, sind hier in Form von Verweisen mitverzeichnet.
Die Überlieferung der Kirchenbuchduplikate der Provinz Brandenburg ist sehr unvollständig. Lücken entstanden bereits im 19. Jahrhundert durch Vernachlässigung der Abgabepflicht oder Verluste bei den Gerichten. Die größten Verluste wurden durch den Zweiten Weltkrieg und dessen Folgen verursacht. Von dem in den 1930er Jahren im Preußischen Geheimen Staatsarchiv in Berlin gebildeten umfangreichen Bestand brandenburgischer Kirchenbuchduplikate sind wegen Kriegsverlusten nur noch ein Verzeichnis des Bestandes und einzelne Bände aus Sorau erhalten.
Am dichtesten ist die Überlieferung für die Kreise Ruppin, Ostprignitz und Zauch-Belzig im ehemaligen Regierungsbezirk Potsdam. Deutlich unterrepräsentiert sind die Kreise Westprignitz und Westhavelland. Die Überlieferung aus dem ehemaligen Regierungsbezirk Frankfurt (Oder) ist insgesamt dünner und fällt für die ehemaligen östlichen Gebiete Brandenburg östlich von Oder und Neiße fast völlig aus. Nur aus der östlichen Grenzregion der Provinz Brandenburgs ist eine größere Zahl von Duplikaten in das Brandenburgische Landeshauptarchiv gelangt, die aus der Sammlung des Reichssippenamtes stammten und 1965 vom Deutschen Zentralarchiv in Potsdam an das Brandenburgische Landeshauptarchiv weitergegeben wurden. Dabei handelt es sich um 137 Bände aus dem Kreis Züllichau-Schwiebus und weitere 372 Bände von Orten der Kreise Birnbaum bzw. Schwerin, Meseritz und Bomst, die seit 1938 überwiegend zur Provinz Brandenburg gehörten, zur Entstehungszeit der Duplikate allerdings in der Provinz Posen lagen.
Gelegentlich sind auch in den Kirchenbuchduplikaten der Provinz Brandenburg Orte jenseits der Grenze miterfasst, wenn sie zu einer brandenburgischen Mutterkirche gehörten, so bei Lauta im Kreis Calau mit Hosena, Leipe und Torno in der Provinz Schlesien oder bei der altlutherischen Gemeinde in Brüssow mit Gemeindemitgliedern in Boock, Pasewalk, Penkun, Plöwen, Retzin, Salzow und Sommersdorf in Pommern.
Kirchenbuchduplikate von Orten, die heute zu Berlin gehören, finden sich zum Teil in den Beständen des Landesarchivs Berlin. Zudem bewahrt das Domarchiv Berlin Kirchenbücher der Domgemeinde und der Schlosspfarrei auf.

Zeitlicher Umfang

Selten liegen Duplikate für den gesamten Zeitraum von 1794 bis 1874 vor. Auch hier spielen Zufälle der Überlieferung eine Rolle. Aus den Akten ist nachweisbar, dass vor allem in der Zeit vor der Neuordnung der Gerichtsorganisation und Gründung der Kreisgerichte im Jahr 1849 Duplikate gelegentlich erst nach Jahren oder gar nicht angefertigt wurden oder in den Gerichten verloren gingen. Außerdem hat das Preußische Geheime Staatsarchiv vorrangig ältere Duplikate aus der Zeit bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts übernommen, so dass in einigen Fällen ältere Duplikate dort 1945 vernichtet wurden, deren jüngere Fortsetzung nach dem Krieg in das Brandenburgische Landeshauptarchiv gelangte. Zu berücksichtigen ist aber auch die territoriale Entwicklung Brandenburgs. In den großen ehemals sächsischen Gebieten in der Niederlausitz und der südlichen Provinz Brandenburg, die erst 1815 an Preußen fielen und 1816 in die Provinz eingegliedert wurden, galt das Allgemeine Landrecht erst ab 1816. Dort waren seit 1802 Kirchenbuchduplikate nach sächsischen Bestimmungen angefertigt worden, die dann in preußischer Zeit fortgesetzt werden konnten. Für Hoppenrade etwa wurde ein fortlaufend von einer Hand in ein Quartheft eingetragenes Duplikat für Oktober 1756 bis 1800 beim Gericht eingereicht.
Bei den Tauf- und Bestattungsregistern ist zu beachten, dass nicht der Tag der Geburt oder des Todes, sondern der Tag der kirchlichen Amtshandlung der Taufe oder der Bestattung maßgeblich für die chronologische Anordnung der Einträge sein kann.

Konfessionelle Verteilung

Wenn hier von evangelischen Kirchenbüchern oder Duplikaten gesprochen wird, bezieht sich das auf die Kirchenbücher der lutherischen und reformierten Gemeinden, die seit 1817 uniert waren. Diesen Gemeinden der evangelischen Landeskirche gehörte die große Mehrheit der Brandenburger an. Daneben bestanden aber auch nach 1817 reformierte Gemeinden fort, von deren Kirchenbüchern auch einzelne Duplikate im Bestand Rep. 5 KB überliefert sind. Außerdem umfasst der Bestand einzelne Duplikate altlutherischer Gemeinden, die die Kirchenunion der Lutheraner und der Reformierten in Preußen von 1817 nicht mitvollzogen haben (zuerst Züllichau ab 1836, weitere ab 1848), Duplikate katholischer Gemeinden (zuerst Prenzlau ab 1829, weitere ab 1844) und einzelne jüdische Listen, die wohl zufällig mit Kirchenbuchduplikaten abgeheftet wurden.

Militärkirchenbücher

Besonders hinzuweisen ist auch auf einzelne Duplikate von Militärkirchenbüchern im Bestand Rep. 5 KB, z.B. aus Beeskow und Neuruppin, da die Militärkirchenordnung die Abgabe von Duplikaten an die Gerichte eigentlich nicht vorsah. In einzelnen Fällen finden sich auch Eintragungen zu Militärangehörigen in den zivilen Kirchenbuchduplikaten, z.B. bei Sorau und Spremberg.

Totenlisten

Im Bestand Rep. 5 KB findet sich auch eine größere Zahl von Tertialtotenlisten (z.B. Rep. 5 KB Nr. 508-517: Totenlisten aus 90 Orten des Gerichtssprengels des Kreisgerichts Luckau von 1852-1873). Diese Totenlisten mussten zunächst alle drei, seit 1815 alle vier Monate von den Pfarrern an die Gerichte eingereicht werden und dienten der Regelung von Erbschaftsstempel- und Nachlassangelegenheiten. Weitere Totenlisten liegen bei den Archivbeständen der Kreis- und Amtsgerichte, sind aber in der Verzeichnung miterfasst. Die Totenlisten können und müssen gegebenenfalls Informationen bieten, die im Kirchenbuch nicht enthalten sind. Es waren nämlich nicht nur die Eltern oder die hinterlassenen Ehepartner oder Kinder anzugeben, sondern alle erbberechtigte Verwandte, v. a. Geschwister. Weitere Produkte der Tätigkeit der Pfarrer im Personenstandswesen, wie die Listen unehelicher Kinder, die den Pfarrern zeitweilig zur Regelung von Vormundschaftsfragen abverlangt wurden, die Listen männlicher Geburten für die Ergänzung der Militär-Stammrollen oder die Bevölkerungslisten, sind nur in geringen Resten im Brandenburgischen Landeshauptarchiv überliefert und gehören in einen anderen Zusammenhang.

Hinweise zur Verzeichnung

Die Kirchenbuchduplikate wurden in unterschiedlicher Weise strukturiert und abgelegt. In manchen sind die Einträge für eine Mutterkirche und sämtliche Tochterkirchen in mehreren Orten zusammengefasst. Andere bieten nur die Einträge für einen einzelnen Ort oder für eine von mehreren Pfarreien in einer Stadt. In den Gerichten heftete man die Duplikate jahrgangsweise für alle Orte im Gerichtssprengel zu einem Aktenband zusammen oder legte die Duplikate einer Gemeinde oder eines Ortes von mehreren Jahren in einem Aktenband ab. Um die Verzeichnung einheitlich und übersichtlich gestalten zu können, wurden deshalb als Verzeichnungseinheit in einem Datensatz jeweils die Duplikate für eine Gemeinde oder einen Ort in einem Aktenband gewählt. Enthalten Aktenbände die Duplikate mehrerer Gemeinden oder Orte, sind diese in entsprechend vielen Datensätzen verzeichnet. Bei der Durchsicht der Digitalisate der Aktenbände, die online über einen Link in jedem Datensatz zugänglich sind, ist deshalb zu berücksichtigen, dass sie auch die Duplikate anderer Gemeinden oder Orte enthalten können.
Die Verzeichnung in der Datenbank beruht auf der Verzeichnung im gedruckten Findbuch für den Bestand: Falko Neininger: Brandenburgische Kirchenbuchduplikate 1794-1874. Ein Verzeichnis der Überlieferung im Brandenburgischen Landeshauptarchiv (= Quellen, Findbücher und Inventare des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, Bd. 23), Berlin u.a. 2008 (online: https://www.peterlang.com/document/1156992). Das gedruckte Findbuch enthält auch eine ausführliche Einleitung zur Geschichte der Erstellung der Kirchenbuchduplikate und Anhänge mit Listen jüdischer Personenstandsunterlagen aus dem Zeitraum 1780 – 1874 (v. a. 1847 – 1874) und der Dissidenten aus dem Zeitraum 1847 – 1874 in Rep. 5KB und anderen Beständen des BLHA (S. 198-212).

Die Verzeichnung ist alphabetisch nach Orten geordnet. Die Ortsnamen werden soweit möglich in der heute gültigen amtlichen Schreibweise angegeben. Die deutsche Namensform von heute polnischen Orten ist in der Regel in der amtlichen Schreibweise von 1932/1933 angegeben. Auf Namensänderungen wird verwiesen.
Für jeden Ort im Ortsalphabet wird der Kreis, zu dem er in der Provinz Brandenburg gehörte, und die kirchliche Zugehörigkeit entsprechend Historischem Ortslexikon für Brandenburg (HOL) bzw. Historischem Ortslexikon für die Niederlausitz (HON) genannt.
Wenn nicht anderes angegeben, beziehen sich die Angaben zur kirchlichen Zugehörigkeit immer auf die evangelische Landeskirche.
In jedem Datensatz sind alle Orte, die kirchlich zu dem Ort gehören, für die das Duplikat gefertigt wurde und die in dem Duplikat genannt werden, möglichst vollständig erfasst.
Auf Kirchenbuchduplikate oder Exzerpte in anderen Beständen wird mit Angabe der jeweiligen Signatur verwiesen.
Die Laufzeiten beziehen sich in der Regel auf das Duplikat des Gesamtkirchenbuchs mit Tauf-, Trauungs- und Bestattungsregister. Abweichungen und möglichst auch Lücken sind angegeben. Fast alle Duplikate des Jahres 1874 enden mit dem 30. September, da zum 1. Oktober die Standesämter ihre Tätigkeit aufnahmen.
Eigens im Enthält-Vermerkt verzeichnet sind Abschriften von Konfirmations- und Kommunikantenregistern.

Digitalisate

Der Bestand Rep. 5KB ist größtenteils verfilmt und digitalisiert. Die Digitalisate der Aktenbände werden in nächster Zeit online mit dem Link in jedem Datensatz zugänglich gemacht. Bei der Durchsicht der Digitalisate der Aktenbände ist zu berücksichtigen, dass sie die Duplikate mehrerer Gemeinden oder Orte enthalten können.

Abkürzungen

Adv. Advent
altluth. altlutherisch
BLHA Brandenburgisches Landeshauptarchiv
dt. ref. deutsch reformiert
ev. evangelisch
fr. ref. französisch reformiert
GStA PK Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz
HOL Historisches Ortslexikon für Brandenburg
HON Historisches Ortslexikon für die Niederlausitz
kath. katholisch
KB Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Rep. 5 KB Nr.
Kr. Kreis
PL Polen / heute polnisch
Prov. Provinz
ref. reformiert

Information on extent

Extent:57,74 lfm; 1947 Akte(n) und Amtsbücher

Conditions of access and use

Zitierweise:BLHA, Rep. 5KB Nr.
 

Usage

Permission required:Keine
Physical Usability:Uneingeschränkt
Accessibility:Öffentlich
 

URL for this unit of description

URL: http://blha-recherche.brandenburg.de/detail.aspx?ID=47961
 
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